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Behavioral Archetype

Ausfüll-Hilfe

Ihr habt recherchiert, beobachtet und Interviews geführt. Jetzt verdichtet ihr eure Erkenntnisse zu einem Profil, das euer Design leitet — datenbasiert, nicht ausgedacht.

Grundlagen

Was ist ein Behavioral Archetype?

Ein Behavioral Archetype ist ein fiktives, aber datenbasiertes Profil, das wiederkehrende Verhaltensmuster, Einstellungen und Bedürfnisse eurer Zielgruppe bündelt. Er ist kein einzelner Interview-Teilnehmer, sondern eine Verdichtung eurer gesamten Forschung.

Wozu?

Statt abstrakt über „den Nutzer“ zu sprechen, habt ihr einen konkreten Charakter. Ihr könnt fragen: „Würde Peter das verstehen?“ — und Designentscheidungen an echten Erkenntnissen statt an Bauchgefühl ausrichten.

Wichtig

Nichts im Archetype wird erfunden. Alles muss sich aus eurer Research ableiten lassen — aus Interviews, Beobachtungen oder anderen Daten. Wenn ihr für ein Feld keine Daten habt, lasst es offen.

Die Vorlage im Detail

Felder und wie ihr sie ausfüllt

Klickt auf ein Feld, um die Erklärung zu öffnen. Zu jedem Feld findet ihr ein Beispiel und einen Hinweis, wie ihr die Informationen aus eurer Research ableitet.

Gebt eurem Archetype einen realistischen Namen (z. B. „Peter Schmitt“) und einen prägnanten Kurztitel, der ihn zusammenfasst. Fügt ein Bild ein — Stockfoto, Illustration oder Collage — damit der Archetype ein Gesicht bekommt.

Beispiel Kurztitel: „Der pragmatische Gelegenheitskäufer“

Ergänzt drei bis fünf Adjektive als Schlagworte (z. B. „ANSPRUCHSVOLL, GEBILDET, SOUVERÄN“), die den Charakter auf den Punkt bringen.

↳ Ableitung: Welche Persönlichkeitsmerkmale und Haltungen tauchten in euren Interviews immer wieder auf?

Eine kurze Geschichte in Fließtext (5–10 Sätze), die den Alltag und die Lebenssituation eures Archetypes beschreibt. Stellt euch vor, ihr erzählt jemandem, der das Projekt nicht kennt, wer diese Person ist.

„Peter ist 47, lebt in einer Kleinstadt und arbeitet als Abteilungsleiter in einem mittelständischen Unternehmen. Er schätzt Effizienz und hat wenig Geduld für umständliche Prozesse …“

↳ Ableitung: Nehmt die häufigsten demografischen und biografischen Muster aus euren Interviews und verwebt sie zu einer stimmigen Geschichte.

Alter, Geschlecht, Beruf, Wohnort, Bildungsstand — sofern sie für euer Projekt relevant sind. Tragt nur ein, was designrelevant ist: Wenn das Einkommen keinen Einfluss auf die Nutzung hat, lasst es weg.

↳ Ableitung: Sucht nach den häufigsten Überschneidungen in euren Interview-Teilnehmenden. Der Archetype repräsentiert ein Cluster, keine einzelne Person.

Was will der Archetype erreichen — im Zusammenhang mit eurem Produkt? Was treibt diese Person an?

„Peter möchte Bestellprozesse schnell und ohne Rückfragen abwickeln, damit er sich auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren kann.“

↳ Ableitung: Achtet auf Aussagen wie „Ich will einfach nur …“, „Mir ist wichtig, dass …“. Ziele verstecken sich oft in Wünschen und Frustrationen.

Welche Werte sind diesem Menschen wichtig? Persönliche (Zuverlässigkeit, Nachhaltigkeit) oder berufliche (Effizienz, Qualität). Werte beeinflussen, wie Menschen Entscheidungen treffen und Produkte bewerten.

↳ Ableitung: Werte zeigen sich oft nicht direkt, sondern in der Art, wie Menschen über Probleme oder Lösungen sprechen.

Wie technisch versiert ist der Archetype? Welche Geräte und Plattformen nutzt er? Smartphone oder Desktop? Vertraut mit digitalen Tools oder eher unsicher?

↳ Ableitung: In den Interviews habt ihr wahrscheinlich gefragt, wie eure Zielgruppe aktuell mit Technik umgeht. Fasst das hier zusammen.

Frustrationen, Hindernisse, Probleme im aktuellen Alltag oder bei der Nutzung bestehender Lösungen. Das ist einer der wichtigsten Bereiche — hier liegt euer Designpotenzial.

„Peter hat schon zweimal einen Kauf abgebrochen, weil der Bestellprozess zu lang war.“

↳ Ableitung: Sucht nach negativen Erfahrungen, Beschwerden, Workarounds und Momenten, in denen Menschen aufgegeben haben.

Wie verhält sich der Archetype bei der Nutzung ähnlicher Produkte? Welche Gewohnheiten oder Vorlieben hat er?

„Peter vergleicht immer erst Preise auf mehreren Plattformen. Er liest keine langen Produktbeschreibungen, sondern orientiert sich an Bewertungen.“

↳ Ableitung: Achtet auf wiederkehrende Handlungsmuster. Was machen die Menschen zuerst, was zuletzt, was überspringen sie?

Bedürfnisse sind nicht dasselbe wie Ziele. Ein Ziel ist, was jemand erreichen will. Ein Bedürfnis ist, was jemand dafür braucht.

Ziel: „Schnell bestellen“ → Bedürfnis: „Eine übersichtliche Oberfläche und Vertrauen in den Anbieter“

↳ Ableitung: Leitet Bedürfnisse aus den Zielen und Pain Points ab.

Ein bis drei wörtliche oder sinngemäße Zitate aus euren Interviews, die die Perspektive des Archetypes besonders gut einfangen. Sie machen das Profil lebendig und sind eine starke Argumentationshilfe für Designentscheidungen.

„Wenn’s nicht in 5 Minuten geht, bin ich raus.“

↳ Ableitung: Geht eure Interview-Transkripte durch und markiert Aussagen, die besonders pointiert oder typisch sind.

Wo und unter welchen Umständen wird das Produkt genutzt? Büro, unterwegs, zu Hause? Allein oder mit anderen? Viel oder wenig Zeit?

„Peter nutzt das Tool am Schreibtisch zwischen zwei Meetings. Selten mehr als 10 Minuten am Stück, häufige Unterbrechungen.“

↳ Ableitung: Fragt euch, in welchen Situationen eure Interview-Teilnehmenden typischerweise mit dem Thema in Berührung kommen.

Am unteren Rand der Vorlage findet ihr Skalen von 0 bis 10. Drei sind vorgegeben: Online-Affinität, Domänen-Wissen und Marken-Treue. Die restlichen Zeilen sind frei — ergänzt Dimensionen, die für euer Projekt relevant sind (z. B. Preissensibilität, Risikobereitschaft).

↳ Ableitung: Überlegt im Team, wo euer Archetype auf jeder Skala liegt. Es geht um Tendenzen, nicht um exakte Werte.

Vor dem Start

Checkliste

Geht diese Punkte durch, bevor und während ihr den Archetype erstellt.

☐   Arbeitet im Team — unterschiedliche Perspektiven machen den Archetype robuster.
☐   Bleibt bei den Daten. Füllt keine Lücken mit Annahmen — geht lieber nochmal in die Research.
☐   Weniger ist mehr. Jeder Satz sollte eine klare Aussage treffen.
☐   Testet den Archetype: Würden eure Interview-Teilnehmenden sich darin wiedererkennen?
☐   Erstellt nur so viele Archetypen (1–3), wie es tatsächlich unterscheidbare Verhaltensmuster gibt.

Unterschied: Ziel vs. Bedürfnis vs. Pain Point

Ziel — Was jemand erreichen will. („Schnell bestellen.“)
Bedürfnis — Was jemand dafür braucht. („Eine klare, geführte Oberfläche.“)
Pain Point — Was dem aktuell im Weg steht. („Der Prozess hat zu viele Schritte.“)

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